Ruqayah, 2 Jahre und 5 Monate,
aus Nasiriya/Irak


Diagnose:

  • Mittelgroßer, druckreduzierender Ventrikelseptumdefekt (VSD) am Übergang des basalen muskulären zum perimembranösen Septum
    Pulmonalarterielle Hypertonie mit halbsystemischem Pulmonalisdruck, wahrscheinlich keine primäre pulmonale Hypertonie
  • Funktionell bikuspide Aortenklappe
  • Geringe Mitralinsuffizienz

Therapie:

  • Operation am 11.06.2018:
    • VSD-Patchverschluss, Resektion subaortale Leiste

Vorgeschichte und Verlauf:

Kurz nachdem Ruqayah als viertes Kind der Familie auf die Welt kam, bemerkte die Mutter schon eine auffällige Atmung. Eine Ultraschalluntersuchung zeigte einen relativ großen Defekt in der Scheidewand zwischen den beiden Herzkammern. Eine Therapie mit herzstärkenden und entwässernden Medikamenten wurde begonnen. Doch das Kind entwickelte sich körperlich nicht so wie die anderen Kinder. Es hustete viel, war sehr schlapp und schwitzte bei jeder noch so kleinen Anstrengung. Mehrere stationäre Aufenthalte im Heimatland waren notwendig wegen starken Hustens, Luftnot sowie Herzrasen. Auch blieb Ruqayah im Wachstum deutlich hinter den Gleichaltrigen zurück.
Bei Ankunft in Erlangen wog sie nur knapp 9 kg bei eine Größe von nur 80 cm!
Allerdings ist sie ein ganz pfiffiges, schlaues Mädchen geworden, das die körperlichen Nachteile gut mit ihren geistigen Fähigkeiten kompensieren konnte.

Aufgrund der desolaten Gesundheitsversorgung im Irak war eine rechtzeitige operative Korrektur nicht möglich. Die Familie konnte sich auch keine Behandlung in einem der angrenzenden Länder mit besseren Gesundheitsstandards leisten. Der Vater verdient den Unterhalt der Familie durch Gelegenheitsarbeiten.
Dr. Jabbar Said-Falyh von der "IPPNW Kinderhilfe Irak", ehemaliger Kinderarzt in Frankfurt am Main und selbst aus Nasiriya stammend, erhielt Kenntnis von dem Fall und wandte sich mit der Bitte um weitere Unterstützung und um medizinische Hilfe an "Erlangen hilft". Unser Verein bot in der Vergangenheit schon bei mehreren Kindern von IPPNW Hilfestellung und trug den Fall an Herrn Professor Dr. Sven Dittrich, Leiter der Kinderkardiologie der Universiät Erlangen, heran. Ein großes Glück, dass die Aktion "Kinderherz-Op" der Universität sich für die Übernahme der Behandlungskosten verbürgte.
Die Stellungnahme von Herrn Professor Dittrich, dass die Behandlung dringlich sei und jeder Monat Verzögerung die Ausgangslage und die Chancen für das Kind verschlechtern würde, verhalf bei der zuständigen deutschen Botschaft in Bagdad zu einer schnellen Visaerteilung.

Am 21. Mai 2018 kam Ruqayah mit ihrer Großmutter Jasmeea, die als einzige aus der Großfamilie als Begleitperson in Frage kam, über Bagdad-Frankfurt nach Erlangen. Bewundernswert, was die Großmutter, selbst Mutter von 10 Kindern, das Jüngste erst 13 Jahre alt, für ihre kleine Enkelin leistete. Ohne selbst eine Schulbildung erhalten zu haben, nahm sie das Ungewisse der Reise auf sich. Mit Hilfe von uns ehrenamtlichen Helfern fand sie sich schnell in der Fremde zurecht. Sie war für die anfangs völlig verängstigte Ruqaha ein starker emotionaler Halt, musste das Kind doch alle Prozeduren ohne den Beistand ihrer Mutter überstehen. Auch war es durch etliche Voruntersuchungen im Irak traumatisiert.

Nach mehreren Voruntersuchungen entschieden sich die Ärzte für einen operativen Eingriff. Die Entscheidung fiel nicht leicht, stellte man doch einen grenzwertigen Hochdruck im Lungenkreislauf fest. Es konnte sein, dass dieser sich auch nach der Operation nicht bessern würde, so dass die fortschreitende Schädigung des Organs nicht aufzuhalten wäre. Normalerweise werden Kinder mit diesem Herzfehler in Deutschland viel früher operiert, bevor sich ein schwerer Lungenhochdruck entwickeln könnte!

wenige Tage nach der OperationHerr Professor Dr. Robert Cesnjevar, Leiter der Kinderherzchirurgie der Universität Erlangen, gab grünes Licht für den Eingriff, den Verschluss des Ventrikelseptumdefekts, der am 11.06.2018 problemlos in einer mehrstündigen Operation durchgeführt wurde.
Die Ärzte behielten Recht, der Lungenhochdruck war verschwunden.


Man konnte regelrecht dabei zusehen: Von Tag zu Tag ging es Ruqayah körperlich und seelisch besser. Sie entwickelte einen großen Appetit und holte kräftig das Versäumte auf, war sie doch durch die ständige Atemnot immer am Rande ihres körperlichen Leistungsvermögens gewesen. Sie wurde regelrecht kess und gewann im Nu alle Herzen.

"Erlangen hilft" sorgte für Unterkunft und Unterhalt der beiden, begleitete sie zu allen Untersuchungen. Ein Helferkreis, im Mittelpunkt zwei Frauen mit irakischen Wurzeln, leistete enge, vor allem emotionale Betreuung. Private Einladungen zur Zeit des Ramadan und Ausflüge in die nähere Umgebung, z.B. in den Nürnberger Tiergarten (nach erfolgreicher Operation) gehörten dazu.

Mehrere ambulante Nachuntersuchungen zeigten ein sehr gutes Ergebnis, so dass Ruqayah am 02.07.2018 mit der Großmutter in ihre Heimat zurückfliegen konnte.

 

 

 


Ruqayah mit Großmutter Jasmeea, Zum Abschied Jasmeea und Ruqayah inmitten der Helfer, hinten 3. von links: Dr. Jabbar Said-Falyh

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